Die Kraft der Farben

Mausgrau oder Rabenschwarz? Bitte nicht, findet Lisa Werner. Als Designerin und Produktmanagerin bei Wehrfritz weiß sie, welche Farben für Kindermöbel und -räume stattdessen besonders geeignet sind. Im Interview erläutert sie, wie sich Blau, Grün und Co. auf unser Wohlbefinden auswirken und warum Kinder ihre Umgebung anders wahrnehmen als Erwachsene.

Frau Werner, haben Farben wirklich eine Auswirkung auf unsere Psyche?

Lisa Werner: Auf jeden Fall. Gerade in der Raumgestaltung bestimmt Farbe nachweislich unsere Stimmung, unser Verhalten und unsere Emotionen. Sie wirkt sich unmittelbar auf unser Wohlbefinden aus. Mit einer bewussten Farbgestaltung können wir also zum Beispiel Geborgenheit und Sicherheit vermitteln oder die Konzentrationsfähigkeit erhöhen. Wir können Ruhebereiche schaffen und Aktivitätszonen definieren. Das ist besonders wichtig bei Räumen, die von Kindern genutzt werden.

Farbe hat also eine pädagogische Funktion?

Lisa Werner: Genau. Und Farbe kann nicht nur Kinder, sondern auch pädagogische Fachkräfte unterstützen, indem sie ein gesundes Raumklima schafft. In einem Berufsfeld, das von Überlastung, Stress und Personalmangel geprägt ist, ist das unglaublich wichtig.

Gibt es Farben, die besonders gut auf uns wirken?

Lisa Werner: Naturnahe Farben wirken besonders wohltuend auf uns Menschen. Das hat mit unserer Evolution zu tun. Wir empfinden vor allem Grün- und Blautöne als sehr beruhigend und regenerierend. Deshalb werden diese Farben in Räumen eingesetzt, in denen wir uns länger aufhalten. Andere Farben wirken dagegen aktivierend auf uns – Rottöne, zum Beispiel.

Wobei Rot ja nicht gleich Rot ist ...

Lisa Werner: Deshalb ist es entscheidend, in welchem Kontrast, in welcher Helligkeit und Stufe diese Farbtöne eingesetzt werden. Ich würde zum Beispiel nicht empfehlen, eine komplette Wand in einem knalligen Rot zu streichen. Das könnte zu aufwühlend wirken. Ein abgemildertes Rot, beispielsweise ein Terrakotta-Ton, funktioniert als Wandfarbe wiederum sehr gut.

Farbe kann nicht nur Kinder, sondern auch pädagogische Fachkräfte unterstützen, indem sie ein gesundes Raumklima schafft. In einem Berufsfeld, das von Überlastung, Stress und Personalmangel geprägt ist, ist das unglaublich wichtig.

Lisa Werner, Produktmanagerin bei Wehrfritz

Portraitfoto von Lisa Werner. Sie trägt einen violetten Blazer und sitzt vor einer Wand mit Stoffmustern.

Zur Person

Seit 2014 ist Produktdesignerin Lisa Werner bei Wehrfritz beschäftigt – zunächst im Möbeldesign, mittlerweile im Produktmanagement. Hier verantwortet sie große übergeordnete Projekte und strategische Konzepte sowie Produktentwicklungen im Bereich Polstermöbel und Stoffe und ist Expertin für Raumkonzepte. Auf Messen und Kongressen gibt sie ihre Expertise als Speakerin für das Thema Raum- und Farbgestaltung im Elementarbereich in Vorträgen weiter.

Wirken Farben auf Kinder eigentlich anders als auf Erwachsene?

Lisa Werner: Kinder nehmen ihre Umwelt überhaupt ganz anders wahr. Sehr junge Kinder haben noch keine selektive Wahrnehmung. Betritt ein Krippenkind einen Raum, prasselt alles darin ungefiltert auf das Kind ein. Das kann schnell überfordern. Deshalb verwenden wir gerade im Krippenbereich harmonische Farben, setzen wenige Farbakzente und gestalten Räume eher kontrastarm. Je älter Kinder werden, desto kontrastreicher, kräftiger und farblich akzentuierter dürfen Räume gestaltet sein. In Kindergärten und Schulen arbeiten wir gerne mit Komplementärfarben, die eine gewisse Spannung und Frische erzeugen.

Die Nutzergruppe ist bei der Farbgestaltung also entscheidend.

Lisa Werner: Es geht dabei aber nicht nur um die Nutzergruppe, sondern auch den Nutzungszweck eines Raumes. Genauso um seine tägliche Nutzungsdauer. Flur- oder Bewegungsbereiche, in denen sich Kinder nicht allzu lange aufhalten, können deshalb in kontrastreicheren, intensiven Farbtönen gestaltet werden.

Kinder sitzen und stehen an einem Tisch und spielen.
Noch in den 1970er-Jahren wurden Kindermöbel großflächig mit starken Farben versehen. Heute weiß man, dass gerade kleine Kinder kontrastärmere Umgebungen brauchen.

Und wie bunt dürfen Möbelstücke aus ihrer Sicht sein?

Lisa Werner: Möbel eignen sich gut dafür, kräftige Akzente zu setzen und Farbe in den Raum zu bringen. Große Farbflächen gestalten wir eher neutral. Aber so ein Hocker darf durchaus mal ein strahlendes Blau oder Rot mitbringen. Eine verpasste Chance bei der Gestaltung von Räumen ist es, die Farbe wegzulassen. Jeder von uns merkt es sofort, wenn er einen Raum betritt, der nicht gestaltet ist. Das fühlt sich nicht gut an. Farbe schafft eine angenehme Atmosphäre.

Wehrfritz bietet Kunden aktuell die Farbwelten „Aqua“, „Terra“ und „Dune“ – eine trendgetriebene Entscheidung?

Lisa Werner: Unsere Farbwelten sind nicht in Stein gemeißelt und es ist vorstellbar, dass sie sich über die Jahre auch mal ändern oder neu kombiniert werden. Trends sind für uns eher nachrangig. Wir raten unseren Kunden, auf Langlebigkeit zu setzen. Also auf nachhaltige Möbel, die in ihrer Farbgebung nicht nur die kindliche Entwicklung fördern, sondern auch eine gewisse Zeitlosigkeit mit sich bringen. Natürlich sind wir immer up to date und auf Messen und Ausstellungen unterwegs. Trendfarben würden wir aber eher sporadisch einsetzen, bei austauschbaren und kurzlebigeren Accessoires wie Kissen, zum Beispiel.

Eine verpasste Chance bei der Gestaltung von Räumen ist es, die Farbe wegzulassen.

Lisa Werner, Produktmanagerin bei Wehrfritz

Ein Kind spielt in einem Raumsystem der Firma Wehrfritz.
Farbe gehört – gezielt eingesetzt – in jede Kita und jeden Kindergarten.

Wie hat sich der Stellenwert von Farbe bei Wehrfritz in den letzten Jahren verändert?

Lisa Werner: Früher hatten wir bei Kindermöbeln vermehrt eine Primärfarbenoptik, wir verwendeten also die traditionellen Grundfarben Rot, Gelb und Blau. Vor etwa 15 Jahren gab es vor allem mit Bezug auf ältere Menschen, also den Care-Bereich, erste Farbstudien. Dadurch wurde uns noch mehr bewusst, wie wichtig das Thema auch für Kinder ist. Bei unserem ersten großen Wurf, dem grow.upp Raumkonzept, schrieben wir es uns als einer der ersten Kindergartenausstatter auf die Fahne, Räume ganzheitlich zu betrachten. Das heißt, wir bieten unseren Kunden nicht nur die Möbel an, die perfekt zu ihrem pädagogischen Konzept passen, sondern gestalten den gesamten Raum. Später kam dann set.upp für die Schule dazu. Genauso breeze.upp, bei dem es viel um die Veränderung und die Freiheit des Raumes geht.

Gibt es eine grundsätzliche Maxime, der Sie bei Ihrer Arbeit folgen?

Lisa Werner: Unsere Möbel sollen sowohl maßlich als auch farblich als auch von ihrer Materialität her zueinander passen. Materialien machen Farbe spürbar. Ein gestalteter Teppich ist dafür ein schönes Beispiel. Kinder können dessen Farbigkeit mit ihren Augen erfassen, das Material aber auch taktil wahrnehmen. Schlussendlich geht es für mich aber vor allem um einen harmonischen Gesamteindruck. Jeder Baustein setzt eigene Akzente im Raum und am Ende zählt, wie gut alles zusammenspielt.

Ein Kind sitzt in einem Raumsystem der Firma Wehrfritz.
Zwei Kinder sitzen auf einem sofaartigen Möbelstück der Firma Wehrfritz.
Farben spielen in Raumkonzepten von Wehrfritz eine zentrale Rolle: Von der Natur inspiriert, arbeitet grow.upp viel mit Grün- und Erdtönen, während breeze.upp mit Blautönen die Leichtigkeit von Luft und Wasser interpretiert.