Kleine Kulturgeschichte des Wohlbefindens
Seit es Kindergärten gibt, beschäftigen sich Pädagogen mit deren Einrichtung. Im 20. Jahrhundert bringen pädagogische Konzepte verschiedene Raumgestaltungen hervor. Eine Erkenntnis kristallisiert sich dabei heraus: Kinder müssen sich wohlfühlen, um sich gut zu entwickeln.
Als Wehrfritz in den 1940er-Jahren erstmals einen Kindergarten ausstattet, ist die kindgerechte Einrichtung bereits Teil der Firmenphilosophie: Kinder brauchen Räume, die Bildung nicht nur ermöglichen, sondern fördern. Zunächst geht es aber noch primär um Möbel, Spielzeug und Ausstattung. Erst als in den 1970er-Jahren Reformen in der Frühpädagogik angestoßen werden, beginnt Wehrfritz, ganze Raumprogramme zu entwerfen. Voraussetzung dafür ist ein über hundertjähriger Diskurs in der Pädagogik.
Kinder wie Pflanzen
Wer sich mit der Geschichte von Kindertageseinrichtungen befasst, stößt sehr schnell auf den Namen Friedrich Fröbel. Der Thüringer Pädagoge und Pestalozzi-Schüler gilt als Erfinder des Kindergartens. Er hat 1840 den Namen für die Institutionen geprägt, die zuvor als Kleinkinderschulen oder auch Kleinkinderbewahranstalten bezeichnet wurden. Die Orte, an denen sich Vorschulkinder außerhalb der Obhut der Eltern aufhalten, sind zu jener Zeit den Schulen nachempfunden – mit Wandtafel, Tischen und Stühlen in Reih und Glied. Als Wohlfühlorte kann man sie nicht gerade bezeichnen. Vielmehr geht es um Aufbewahrung, Disziplinierung und Erziehung der Kinder. Für Friedrich Fröbel soll das Kind aber nicht nur aufbewahrt und geschult, sondern wie eine Pflanze gehegt und gepflegt werden, daher der Name Kindergarten. Im Zentrum von Fröbels Pädagogik steht das Spielen als frühkindliche Bildungsform. Seine Spielgaben – Beschäftigungsmaterial, unter anderem in Form von Bauklötzen – werden bis heute verwendet.
Betreuung für Arme
Dass es Mitte des 19. Jahrhunderts überhaupt Kindergärten braucht, hat unter anderem soziale Hintergründe: Im Zuge der Industrialisierung und dem damit einhergehenden Bevölkerungswachstum, leben immer mehr Kinder in prekären Verhältnissen. Viele Mütter sind gezwungen, zu arbeiten, und können sich nicht vollumfänglich um die Kinder kümmern. Um die armen Kinder von der Straße zu holen und ihnen Erziehung und Bildung angedeihen zu lassen, entstehen damals vielerorts Kindertageseinrichtungen. Diese sind allerdings oft auch Werkzeuge sozialer Kontrolle zur Vermittlung von Hygiene, Moral, Ordnung und Arbeitstugend. Teilweise werden sie bewusst geschaffen, um die in den Augen des Bürgertums als verwahrlost geltenden Kinder der Unterschicht zu disziplinieren.
Der dritte Pädagoge
Mit dem Kindergarten ist der erste Schritt zum Wohlfühlort für Kinder getan. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstehen diverse pädagogische Konzepte, die unterschiedliche Raumgestaltungen erfordern. Maria Montessori beispielsweise entwickelt ab 1907 ihre Bildungsmethode. Sie folgt dem Grundprinzip, dass Kinder ihrer intrinsischen Motivation und Neugier folgend das eigene Lernen selbst gestalten. Die Lernumgebung wird zu diesem Zweck präpariert. Sie muss kindgerecht sein, beispielsweise was die Proportionen des Mobiliars angeht. Kinder müssen Tische oder Stühle selbst tragen können. Die Materialien sind ordentlich, frei zugänglich und in Greifhöhe der Kinder im Regal aufbewahrt, sodass die Kinder sich aufgefordert fühlen, sich selbständig damit zu beschäftigen.
Ein anderes Konzept, die Reggio-Pädagogik – entstanden in den 1960er-Jahren in Kindertagesstätten der italienischen Stadt Reggio nell’Emilia – arbeitet stark mit Interaktion, Kommunikation und kreativen Ausdrucksmöglichkeiten. Es fokussiert darauf, die Stärken des Kindes zu fördern. Das Kind erforscht die Welt anhand von Projekten und Themen, die es interessieren. Neben den Erziehern und den Spielgefährten wird der Raum als dritter Pädagoge angesehen: Er soll die Kinder anregen und auffordern, etwas zu tun, und ihnen gleichzeitig Geborgenheit vermitteln.
Noch einer anderen sozialpädagogischen Vorstellung folgt das Raumteilverfahren, das Mitte des 20. Jahrhunderts von Margarete Schörl entwickelt wird und den Raum in verschiedene Zonen für unterschiedliche Aktivitäten gliedert. Je nach Konzept sehen die Lernumgebungen also sehr unterschiedlich aus. Die meisten Einrichtungen sind allerdings relativ starr.
Wehrfritz lässt sich von den verschiedenen Konzepten inspirieren und entwirft – auch in direkter Zusammenarbeit mit Pädagogen – Möbel und Einrichtungen, die entsprechend genutzt werden. In der Folge entwickelt das Unternehmen schließlich eigene Raumprogramme, die mehr Flexibilität ermöglichen und den Raum gestaltbarer machen. Paradebespiel dieser Entwicklung ist das Raumprogramm pluraform-plus.
Der Raum im Fokus
„Der Lernprozess kann nur erfolgreich stattfinden, wenn er in einer positiven und angenehmen Lernumgebung stattfindet. Insofern ist heute die Raumdimension eine der wichtigsten Transformationsebenen des Bildungssystems“, sagt der renommierte Pädagoge Prof. Dr. mult. Wassilios E. Fthenakis, mit dem Wehrfritz schon in den 1970er-Jahren eng zusammenarbeitet. Der Raum stehe heute stärker im Fokus des Bildungswesens denn je. Neue Raumprogramme müssten sich direkt aus dem Bildungskonzept begründen und legitimieren.
Positive Energie, positive Gefühle, gute Interaktion in einem kindgerechten und konzeptgemäßen Raum sind die Voraussetzung dafür, dass das Kind lernen kann.
Prof. Dr. mult. Wassilios E. Fthenakis, Pädagoge und Bildungsforscher
Heute werden Räume vermehrt aus der Perspektive der Kinder entworfen, was zu völlig anderen Konzepten führt. Prof. Fthenakis macht ein Beispiel: „Eine dänische Studie hat untersucht, wie Kinder selbst den Raum einrichten. Die Kinder haben in dem Versuch alle Möbel an die Wand geschoben, um möglichst viel Freiraum für Bewegung und Interaktion zu haben.“ Das bedeute, dass Räume veränderbar und flexibel gestaltbar sein müssen. Sie sollten Kommunikation, Interaktion, Kreativität und kooperatives Lernen unterstützen. Wehrfritz leistet als Unternehmen, das aktiv an der Gestaltung dieser Wohlfühlräume arbeitet, einen wichtigen Beitrag zur zukunftsorientierten Bildung.